Verborgene Schätze Mittelböhmens findet man nicht nur auf touristischen Karten. Burgen wie Karlštejn, die St.-Barbara-Kathedrale in Kutná Hora oder Křivoklát kennt fast jeder – doch die Region verbirgt auch zahlreiche weniger bekannte Orte mit einzigartiger Atmosphäre, starken Geschichten und europäischer Bedeutung.
Von industriellen Denkmälern über Villen der Ersten Republik bis hin zu romantischen Schlössern, alten Klöstern und Museen – gerade diese versteckten Orte werden oft durch das Engagement lokaler Vereine und privater Eigentümer wieder zum Leben erweckt. Entdecken Sie sie und lernen Sie Orte kennen, die Sie nicht nur durch ihre Geschichte, sondern auch durch die Leidenschaft der Menschen, die sich um sie kümmern, begeistern werden.
1. Eisenhütte Barbora, Jince
Einer der interessantesten Zeugen der industriellen Vergangenheit Mittelböhmens ist die Eisenhütte Barbora in Jince. Sie erinnert an eine Zeit, als das Brdy-Gebirge ein bedeutendes Zentrum der Eisenverarbeitung war. Hier befindet sich der letzte vollständig erhaltene Wallonische Hochofen in Böhmen aus dem frühen 19. Jahrhundert sowie das bedeutendste Denkmal der Holzkohle-Eisenproduktion im Land.
Nach der Stilllegung verfiel das Areal, doch dank lokaler Initiativen konnte es gerettet werden. Eine umfassende Rekonstruktion (2023–2024) verwandelte die Hütte in ein Kultur- und Besucherzentrum, das heute Ausstellungen, Konzerte und Workshops bietet.
2. Bergbaumuseum Mayrau
Eine ähnlich eindrucksvolle Atmosphäre bietet das Bergbaumuseum Mayrau bei Kladno – ein technisches Denkmal von europäischer Bedeutung. Die Mine war über 120 Jahre in Betrieb und wurde nahezu unverändert erhalten, als wäre der letzte Arbeitstag gerade erst zu Ende gegangen.
Besucher durchqueren originale Umkleiden, Maschinenräume und Förderanlagen. Ein Highlight ist die funktionsfähige Dampffördermaschine von 1905. Führungen werden häufig von ehemaligen Bergleuten geleitet, die ihre persönlichen Erfahrungen teilen.
3. Brauereimuseum Kostelec nad Černými lesy
Ein weiterer verborgener Schatz ist das Nationale Brauereimuseum, untergebracht in einem historischen Brauereikomplex von 1842. Hier wird Bierbrauen nicht nur als Handwerk, sondern auch als wichtiger wirtschaftlicher Faktor der Städtepräsentiert.
Die größte Besonderheit ist die größte erhaltene holzbefeuerte Sudpfanne der Welt. Das Museum fungiert als „lebendiges Museum“, in dem historische Technologien aktiv vorgeführt werden.
4. Dampfbierbrauerei Lobeč
Ein herausragendes Beispiel für gelungene Denkmalpflege ist die Brauerei in Lobeč. Gegründet im Jahr 1586, zählt sie heute zu den am besten erhaltenen historischen Brauereien ihrer Art in Tschechien.
Nach Jahren des Verfalls wurde sie restauriert und mit dem Europa-Nostra-Preis 2023 ausgezeichnet. Heute verbindet sie Handwerksbrauerei, Museum und außergewöhnliche Unterkunft.
5. Bauer-Villa, Libodřice
Die von Josef Gočár entworfene Villa ist die einzige kubistische Villa auf dem tschechischen Land. Sie zeigt eindrucksvoll, wie avantgardistische Architektur auch außerhalb großer Städte Einzug hielt.
Heute beherbergt sie ein Museum mit einer der größten Sammlungen kubistischer Keramik weltweit.
6. Volman-Villa, Čelákovice
Diese Villa gehört zu den bedeutendsten funktionalistischen Bauwerken Mittelböhmens. Ursprünglich ein luxuriöses Wohnhaus, gilt sie heute als wichtiger Meilenstein der Restaurierung moderner Architektur.
7. Schloss Brandýs nad Labem
Diese Renaissance-Residenz diente seit dem 16. Jahrhundert als Sommer- und Jagdsitz der Habsburger. Kaiser Rudolf II. und auch Karl I. hielten sich hier auf.
Heute ist das Schloss ein nationales Kulturdenkmal und ein bedeutendes Beispiel der Renaissance-Architektur.Neben historischen Innenräumen und Sgraffiti-Fassaden bietet es auch militärhistorische Ausstellungen und einen Schlossgarten.
Die Stadt besitzt das Schloss seit 1995 und restauriert es schrittweise – darunter Kapelle, Rittersaal, Rudolfsgang und neue Gewächshäuser.
8. Schloss Mnichovo Hradiště
Ein außergewöhnlich gut erhaltenes Schloss der Familie Wallenstein, das über drei Jahrhunderte ihr Hauptsitz war.
Bekannt ist es auch als Ort eines wichtigen Treffens der Heiligen Allianz im Jahr 1833. Besucher können eine historische Bibliothek, Sammlungen und ein einzigartiges Barocktheater besichtigen.
9. Schloss Mníšek pod Brdy
Dieses Barockschloss vermittelt einen einzigartigen Einblick in das Alltagsleben des Adels zu Beginn des 20. Jahrhunderts.
Die original ausgestatteten Räume zeigen das Leben von repräsentativen Salons bis zu privaten Wohnräumen. Ergänzt wird das Erlebnis durch den nahegelegenen barocken Wallfahrtsort Skalka.
10. Schloss Neustupov
Ein Beispiel für die schrittweise Rettung eines historischen Denkmals ist das Schloss Neustupov – ein Renaissancejuwel, das an der Stelle einer gotischen Festung aus dem 14. Jahrhundert errichtet wurde. Zu seinen bedeutendsten Besitzern gehörte unter anderem Kašpar Kaplíř von Sulewitz, der nach dem Ständeaufstand im Jahr 1621 hingerichtet wurde. Nach 1989 gelangte das Schloss wieder in Privatbesitz, verfiel jedoch lange Zeit.
Erst seit 2020, als es vom neuen Eigentümer Michal Fárník übernommen wurde, begann eine systematische Restaurierung. Das Schloss wird schrittweise der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, und seit 2025 finden hier Ausstellungen, kulturelle Veranstaltungen und gesellschaftliche Events statt. Neustupov ist damit ein aktuelles Beispiel dafür, wie private Eigentümer historische Denkmäler erfolgreich retten können.
11. Stránov
Eine romantische Vorstellung eines adeligen Sitzes aus dem späten 19. Jahrhundert bietet das Schloss Stránov, das auf einem Hügel über der Landschaft von Pojizeří thront. Ursprünglich stand hier eine hölzerne Festung, die später zu einer gotischen Burg umgebaut wurde. Seine heutige Gestalt erhielt das Schloss durch einen neugotisch-neorenaissancezeitlichen Umbau nach Entwürfen des Architekten Josef Schulz, dem Schöpfer des Prager Nationaltheaters.
Er schuf eine malerische Komposition aus gotischen Elementen, Renaissance-Arkaden und romantisierender Architektur des 19. Jahrhunderts. Dank seines „märchenhaften“ Erscheinungsbildes gehört Stránov heute zu beliebten Orten für Hochzeiten, kulturelle Veranstaltungen und Filmproduktionen. Nach der Enteignung und einer Phase des Verfalls wurde das Schloss 2003 an die Familie Šimonek zurückgegeben, die es schrittweise restauriert und der Öffentlichkeit zugänglich macht.
12. Kloster Sázava
Zu den ältesten und spirituell bedeutendsten Denkmälern Mittelböhmens gehört das Kloster Sázava, das um 1032 vom heiligen Prokop gegründet wurde. Es ist das drittälteste Männerkloster auf dem Gebiet der böhmischen Länder und gilt bis heute als ein herausragender Ort der frühmittelalterlichen geistlichen und kulturellen Geschichte.
Im 11. Jahrhundert entstand hier ein bedeutendes Zentrum der slawischen Liturgie und Bildung, das an die Tradition der Mission von Kyrill und Method anknüpfte. Das Kloster ist eng mit dem Leben des heiligen Prokop verbunden und bleibt bis heute ein wichtiger Wallfahrtsort.
Heute wird es vom Nationalen Denkmalinstitut und der römisch-katholischen Pfarrei Sázava–Černé Budy verwaltet und bietet Führungen sowie thematische Ausstellungen, die seine außergewöhnliche Geschichte näherbringen.
13. Kloster Votice
Eine ganz andere Atmosphäre bietet das Franziskanerkloster des hl. Franziskus von Assisi in Votice, ein barocker Sakralbau, der 1627 von Graf Sezima von Vrtba gegründet wurde. Der Komplex stellt ein geschlossenes Klosterareal mit Garten dar und vermittelt anschaulich das tägliche Leben des Franziskanerordens.
Heute dient das Kloster als lebendiges Kultur- und Gemeinschaftszentrum, das barocke Architektur mit regionaler Geschichte und zeitgenössischem kulturellem Leben verbindet. Besucher können authentische Räume wie Zellen, Refektorium, Bibliothek oder Kapelle besichtigen und zugleich mehr über die Geschichte der Stadt Votice sowie die Ereignisse des 20. Jahrhunderts erfahren.
14. Schloss Vlašim
Das Schloss Vlašim, Sitz des Museums Podblanicko, ist eine bedeutende Gedächtnisinstitution der Region Benešov. Der Schlosskomplex dokumentiert die architektonische Entwicklung vom gotischen Bau über Renaissanceumbauten bis hin zu klassizistischen Veränderungen und wird von einem weitläufigen englischen Park umgeben – einem der wertvollsten Landschaftsparks Mitteleuropas.
Die Ausstellungen präsentieren das kulturelle und natürliche Erbe der Region Podblanicko – von Archäologie und Naturkunde bis hin zum Alltagsleben, den Adelsfamilien (wie den Auerspergs) und industriellen Traditionen, etwa der Firma Sellier & Bellot.
Heute dient das Schloss nicht nur als Museum, sondern auch als Kulturzentrum mit Ausstellungen, Konzerten und Bildungsprogrammen.
15. Schloss Růžkovy Lhotice
Kleiner, aber besonders bemerkenswert ist das Schloss Růžkovy Lhotice – ein barock-klassizistischer Bau mit Ursprüngen im 14. Jahrhundert. Trotz seiner bescheideneren Größe liegt seine Bedeutung vor allem in seinem einzigartigen musikhistorischen Kontext.
Das Schloss ist mit der Musikerfamilie Benda sowie mit Bedřich Smetana verbunden, dessen Vater hier als Braumeister tätig war und der hier einen Teil seiner Kindheit verbrachte.
Die Ausstellung „Landschaft der Töne“ erinnert nicht nur an Smetanas Leben, sondern auch an die musikalische Tradition der Region und Persönlichkeiten wie Jan Dismas Zelenka, Josef Suk, Zdeněk Fibich oder Gustav Mahler.
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