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Kutná Hora - Sedlec

Inspiration

Bemerkenswerte Friedhöfe: Orte der Erinnerung in Mittelböhmen

10. 9. 2026

Anfang November gedenken wir traditionell der Menschen, die nicht mehr unter uns sind. Zu Allerseelen werden die Friedhöfe in Mittelböhmen zu Orten stiller Erinnerung – doch auch zu anderen Zeiten des Jahres lohnt es sich, einige von ihnen zu entdecken.

Viele geben spannende Einblicke in die lokale Geschichte, in Traditionen, Architektur und Handwerkskunst. Von Waldfriedhöfen und jahrhundertealten jüdischen Begräbnisstätten über herrschaftliche Familiengrüfte und Militärfriedhöfe bis hin zu außergewöhnlichen Beinhäusern erzählen diese Orte von den Menschen und Gemeinschaften, die die Region geprägt haben. Wir stellen einige der bemerkenswertesten Erinnerungsorte Mittelböhmens vor.

Waldfriedhof Třebotov
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Waldfriedhof Třebotov
Autor: David Vančišin

Waldfriedhöfe: Orte der Ruhe und Stille

Im Berouner Land befindet sich der einzigartige Waldfriedhof von Nový Jáchymov, der aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts stammt. Umgeben von Bäumen strahlt er eine besondere Ruhe aus und beeindruckt vor allem mit kunstvoll gearbeiteten Grabsteinen und Kreuzen aus Gusseisen.

Der Friedhof ist eng mit der Geschichte der örtlichen Eisenhütten, Gießereien und des Eisenerzbergbaus verbunden. Neben Einwohnern von Nový Jáchymov und der Umgebung fanden hier auch bedeutende Persönlichkeiten ihre letzte Ruhestätte, die mit der industriellen Entwicklung des Ortes verbunden waren. Viele der erhaltenen Grabmale wurden direkt in den örtlichen Hütten und Gießereien gefertigt. Der Friedhof wird bis heute genutzt und ist frei zugänglich.

Auch der Friedhof in Třebotov wurde in einem Wald angelegt, der einst der Jüdischen Kultusgemeinde Zbraslav gehörte. Die ältesten noch lesbaren Grabsteine stammen aus dem Jahr 1795. Viele Grabmale wurden im Laufe der Zeit beschädigt, teilweise sind nur noch ihre Sockel erhalten. Dennoch vermittelt der Ort bis heute eindrucksvoll seine lange Geschichte. Zu sehen sind außerdem die Ruine der ehemaligen Leichenhalle und Reste der ursprünglichen Friedhofsmauer.

jüdische Friedhöfe in Mořina
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jüdische Friedhöfe in Mořina
Autor: David Vančišin

Historische jüdische Friedhöfe

In Mittelböhmen befinden sich einige der ältesten und historisch bedeutendsten jüdischen Friedhöfe Tschechiens.

Der Alte Jüdische Friedhof in Kolín gehört zu den wichtigsten Denkmälern seiner Art im Land. Auf einer Fläche von etwa einem Hektar befinden sich mehr als 2.500 Grabsteine. Hier liegt unter anderem ein Sohn des bedeutenden Rabbiners Judah Loew ben Bezalel, besser bekannt als Rabbi Löw, begraben. Bestattungen fanden hier bis 1887 statt, als der Neue Jüdische Friedhof in Zálabí angelegt wurde. Auch dort sind zahlreiche bemerkenswerte traditionelle Grabsteine erhalten.

Der Jüdische Friedhof in Brandýs nad Labem zählt ebenfalls zu den ältesten in Böhmen. Seine frühesten Grabsteine stammen aus der Zeit nach 1568. Zu den bedeutenden Grabmälern gehört die Tumba des Landesschreibers Menachem Mendel aus Záp. Den Schlüssel zum Friedhof erhalten Besucher in der ehemaligen Synagoge, außerhalb der Hauptsaison im Informationszentrum.

Der Alte Jüdische Friedhof in Mladá Boleslav zählt gemeinsam mit den Friedhöfen in Kolín und Brandýs nad Labem zu den wertvollsten jüdischen Kulturdenkmälern Mittelböhmens. Der älteste datierte Grabstein stammt aus dem Jahr 1604, einige undatierte Steine dürften jedoch noch deutlich älter sein. Zum Areal gehört außerdem eine architektonisch außergewöhnliche Leichenhalle aus der Zeit der Ersten Tschechoslowakischen Republik. Sie wurde im funktionalistischen Stil errichtet – einer Architektur, die eher mit Villen und öffentlichen Gebäuden als mit Friedhofsbauten verbunden wird.

Wallfahrtsort Svatý Jan pod Skalou
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Wallfahrtsort Svatý Jan pod Skalou
Autor: Libor Sváček mcu

Von kleinen Kapellen bis zu monumentalen Familiengrüften

Außergewöhnliche Grabarchitektur lässt sich auch in Svatý Jan pod Skalou entdecken. Auf dem örtlichen Friedhof steht die neugotische Kapelle des Heiligen Maximilian, die 1849 als Familiengruft für Dr. Maximilian Berger, den damaligen Besitzer der Herrschaft, errichtet wurde. Heute ist die Kapelle auch ein markantes Kulturdenkmal, diente bereits als Filmkulisse und wird für Ausstellungen und andere kulturelle Veranstaltungen genutzt.

Nicht weniger beeindruckend ist die Familiengruft der Ringhoffer in Kamenice nahe Prag. Der monumentale Bau wird von einer bronzenen Darstellung der Kreuzigung Christi geschmückt, die nach einem Entwurf des bedeutenden tschechischen Bildhauers Josef Václav Myslbek entstand.

Wer südöstlich des kleinen Ortes Schořov in der Region Kutná Hora dem grün markierten Wanderweg folgt, entdeckt eine frühbarocke Kapelle der Jungfrau Maria. Der achteckige, laternenförmige Bau wurde von Marie Barbora von Pötting nach spanischem Vorbild in Auftrag gegeben und diente später als Familiengruft der Pötting.

Auf dem Friedhof in Lány befindet sich die denkmalgeschützte Grabstätte von Tomáš Garrigue Masaryk, dem ersten Präsidenten der Tschechoslowakei.

Weitere bemerkenswerte Familiengrüfte finden sich überall in Mittelböhmen. Dazu gehören die Grabstätte der Familie Leitenberger an einem Hang oberhalb der Jizera in Josefův Důl, das Grab des Industriellen Čeněk Daněk in Postupice oder die zugängliche unterirdische Gruft der Familie Fürstenberg im Waldpark unweit des Schlosses Nižbor.

Auch im Areal des Schlosses Liblice befindet sich eine Begräbniskapelle, in der dreißig Angehörige der Familie Thun-Hohenstein ihre letzte Ruhestätte fanden. Die Familie Lobkowicz ließ in Hořín eine eigene Familiengruft mit der Kapelle zum Heiligsten Namen Jesu und dem angrenzenden Friedhof aus dem späten 19. Jahrhundert errichten. Die Familie Kinsky ist in Budenice bestattet. Zu ihrer Gruft führt eine barocke Kastanienallee, die das Schloss Zlonice mit dem Schloss Budenice in Budeničky verbindet.

Museum des Militärgeländes Milovice
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Museum des Militärgeländes Milovice
Autor: Dagmar Malinová

Milovice: ein internationaler Militärfriedhof

Auf dem Militärfriedhof in Milovice ruhen mehr als 6.000 Kriegsgefangene, die während des Ersten Weltkriegs das dortige Gefangenenlager durchliefen.

Der Friedhof ist international, multireligiös und multinational. Hier wurden Menschen unterschiedlicher Nationalitäten und Glaubensrichtungen bestattet. Die größte Gruppe bilden Italiener, von denen mehr als 5.000 hier ihre letzte Ruhestätte fanden. Aus diesem Grund wird die Anlage gelegentlich auch als Italienischer Friedhof bezeichnet.

Jedes Jahr Anfang November findet hier eine Gedenkfeier statt, an der Vertreter der Botschaft der Italienischen Republik in Prag und weitere Gäste teilnehmen. Bis heute ist der Friedhof ein bedeutender Erinnerungsort und ein eindrucksvolles Zeugnis der Schicksale, die mit den Ereignissen des Ersten Weltkriegs verbunden sind.

Ossuary Kutna Hora
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Beinhaus in Sedlec
Autor: Priya Shah, Traverse Post Tour

Beinhäuser und der Gedanke des Memento mori

Memento mori – bedenke, dass das Leben vergänglich ist. Dieser jahrhundertealte Gedanke steht auch im Mittelpunkt des weltberühmten Beinhauses von Sedlec in Kutná Hora.

Das Beinhaus befindet sich unter der Friedhofskirche Allerheiligen, die einst Teil des Zisterzienserklosters in Sedlec war. Hier ruhen die sterblichen Überreste von Zehntausenden Menschen. Im Laufe der Zeit wurden die Gebeine zu kunstvollen Kompositionen arrangiert, darunter Pyramiden und der berühmte Kronleuchter. Trotz seiner außergewöhnlichen künstlerischen Gestaltung ist das Beinhaus vor allem ein Ort der Erinnerung und des Nachdenkens.

Ein weiteres bemerkenswertes barockes Beinhaus befindet sich in Kolín, auf dem Gelände des ehemaligen städtischen Hauptfriedhofs unweit der St.-Bartholomäus-Kirche. Gemeinsam mit dem Beinhaus von Sedlec gehört es zu den bedeutendsten Denkmälern seiner Art in Böhmen. Beide Orte laden dazu ein, über die Vergänglichkeit des menschlichen Lebens nachzudenken.

In Mělník befindet sich ein weiteres zugängliches Beinhaus unter dem Presbyterium der Kirche St. Peter und Paul. Seine heutige Gestalt erhielt es nach wissenschaftlichen Untersuchungen durch Professor Jindřich Matiegka, einen der Begründer der tschechoslowakischen Anthropologie. Die Gebeine und Schädel sind unter anderem zu den Formen eines Ankers, eines Kreuzes und eines Herzens angeordnet – den Symbolen für Hoffnung, Glaube und Liebe.

Auch das barocke Beinhaus in Žehuň birgt menschliche Gebeine. Es ist Teil der örtlichen Kirche St. Gotthard und entstand in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.

Alter Jüdischer Friedhof in Kolín
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Alter Jüdischer Friedhof in Kolín
Autor: Aleš Otava

Orte, die von der Geschichte der Region erzählen

Friedhöfe, Grüfte und Beinhäuser gehören vielleicht nicht zu den ersten Zielen, an die man bei der Planung eines Ausflugs denkt. Dennoch eröffnen sie einen ungewöhnlich facettenreichen Blick auf die Geschichte einer Region.

Sie bewahren die Geschichten lokaler Gemeinschaften, Adelsfamilien, Industrieller, Soldaten und ganz gewöhnlicher Bewohner und zeigen zugleich Architektur, Bildhauerkunst und Handwerk verschiedener Epochen. Wer sich Zeit nimmt und diesen Orten mit dem nötigen Respekt begegnet, kann hier eine weitere, stillere Seite der Geschichte Mittelböhmens entdecken.


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